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Einteilung von Leistenschmerzen: Die 4 häufigsten Ursachen erklärt

Disclaimer: Dieser Artikel behandelt die häufigsten Ursachen für Leistenprobleme beim Sportler im Allgemeinen. Für den Fachartikel, der alles im Detail behandelt, klicke hier: https://www.lukas-mayer.com/einteilung-leistenschmerzen/

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Die Sportlerleiste ist eine komplizierte Verletzung mit vielen verschiedenen Ursachen und Symptomen. Über die Jahre hat sich das Verständnis dieser Verletzung verändert. Es gibt viele Namen dafür, zum Beispiel Sporthernie oder Core Muscle Injury, aber keine davon beschreibt das Problem genau. Experten haben sich deshalb darauf geeinigt, Leistenschmerzen in vier Hauptgruppen einzuteilen:

  1. Adduktor-bedingte Leistenschmerzen (betreffen die inneren Oberschenkelmuskeln)
  2. Iliopsoas-bedingte Leistenschmerzen (betreffen den Hüftbeugemuskel)
  3. Inguinal-bedingte Leistenschmerzen (betreffen den Leistenkanal)
  4. Schambein-bedingte Leistenschmerzen (betreffen das Schambein)

Diese Art von Leistenschmerzen kommt besonders häufig bei Sportarten vor, in denen schnelle Bewegungen, Tritte oder Richtungswechsel nötig sind, wie Fußball oder Eishockey.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29510653/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29510653/

Adduktor-bedingte Leistenschmerzen

Die häufigste Muskelverletzung betrifft den Musculus adductor longus (in 87 % der Fälle). Seltener sind andere Adduktorenmuskeln betroffen, wie der adductor brevis, pectineus, obturator externus, gracilis oder adductor magnus.

 

Im nächsten Abschnitt erkläre ich dir genauer, wie diese Verletzungen entstehen und was dabei passiert.

 

Leistenschmerzen und Verletzungen der Adduktoren (innere Oberschenkelmuskeln) treten besonders häufig bei plötzlichen Bremsbewegungen, starken Anspannungen der Muskulatur oder Sprüngen und Landungen auf.

 

Akute Adduktorenverletzungen entstehen oft durch plötzliche Überlastung und können sogar zu Muskelrissen führen, besonders an der Stelle, wo die Sehne am Knochen ansetzt.

 

Chronische Adduktorenverletzungen entwickeln sich meist durch langfristige Überbelastung. Dabei sind die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt. Möglich sind Probleme wie Sehnenreizungen (Tendinopathien), Veränderungen an den Knochenansätzen (Entesopathien) oder Flüssigkeitsansammlungen im Knochen (Knochenmarksödeme).

 

Diese chronischen Beschwerden entstehen oft durch eine schlechte Heilung nach kleinen Verletzungen, was besonders bei älteren Sportlern häufiger vorkommt. Dabei kann es zu Fehlbildungen in den Sehnen und einer verstärkten Durchblutung (Hypervaskularisierung) kommen, was die Heilung zusätzlich erschwert.

Hüftbeuger-bedingter Leistenschmerz

Leistenschmerzen, die vom Iliopsoas-Muskel (Hüftbeuger) ausgehen, machen etwa 21 % aller Fälle aus. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Beschwerden, darunter:

  • Schleimbeutelentzündungen (Bursitis der Bursa Iliopectinea)
  • Sehnenprobleme (Tendinopathien, Tendinitiden)
  • Das Psoas-Syndrom
  • Schnapphüfte (interne Schnapphüfte)
  • Zysten oder knöcherne Engpässe (Impingements)

Akute Verletzungen sind selten, treten aber vor allem bei Tritten, Sprints oder schnellen Richtungswechseln auf. Sie entstehen oft, wenn der Muskel plötzlich stark gedehnt oder gegen eine Kraft angespannt wird.

 

Chronische Beschwerden entstehen meist durch Überlastung, besonders bei Sportarten mit häufiger Hüftbeugung, Außenrotation oder Rumpfbeugung. Das kann durch wiederholte Bewegungen ohne ausreichende Regeneration zu Schäden an Sehnen und Muskeln führen.

Leistenkanal-bedingter Leistenschmerz

Leistenschmerzen im Leistenkanal (inguinal-assoziiert) können durch verschiedene Mechanismen entstehen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen nervenbedingten (neuropathischen) Schmerzen und muskuloskelettalen Ursachen (nocizeptiver Schmerz).

 

Neuropathischer Schmerz entsteht durch:

  • Einklemmung von Nerven in der umgebenden Gewebeschicht (Aponeurose)
  • Druck auf Nerven durch eine Vorwölbung der hinteren Leistenkanalwand

Hierbei gibt es "falsche" und "echte" Vorwölbungen:

  • "Falsche" Hernien entstehen meist durch starke Muskelbelastung. Beim Anspannen der Bauchmuskulatur wird der Leistenkanal enger, wodurch die Hernienbildung verhindert wird.
  • "Echte" Hernien sind dagegen Durchbrüche der Bauchwand, bei denen Organe in den Leistenkanal treten können.

Muskuloskelettaler Schmerz entsteht durch:

  • Risse in der Aponeurose (Gewebestruktur in der Leiste)
  • Entzündungen am Leistenband (Lig. inguinale)

Hernien (Vorwölbungen):

  • Indirekte (häufigste) Hernien betreffen Männer häufiger (90 % aller Fälle) und entstehen oft auf der rechten Seite.
  • Femorale Hernien sind bei Frauen häufiger (70 % der Fälle), machen aber insgesamt nur 3 % aller Hernien aus.

 

Schambein-bedingter-Leistenschmerz

Leistenschmerzen im Bereich des Schambeins (Os pubis) sind oft komplex und können durch mehrere Faktoren ausgelöst werden. Eine häufige Diagnose ist die Osteitis Pubis – eine entzündliche Überlastungsreaktion an der Schambeinfuge (Symphyse) und den umliegenden Knochen- und Weichteilstrukturen. Dabei kommt es häufig zu Flüssigkeitsansammlungen im Knochen (subchondrale Ödeme).

 

Typische Beschwerden:

  • Druckschmerz an der Symphyse und dem Schambein
  • Schmerzen bei Belastung, insbesondere bei sportlicher Aktivität

Häufig betroffene Gruppen:

  • Besonders junge Fußballspieler während des Wachstums
  • Sportler mit hoher Belastung durch intensives Training

Ursachen & Risikofaktoren

  • Geringere Beweglichkeit und Knochendichte während des Wachstums
  • Überlastung durch zu viel oder zu intensives Training
  • Höhere Anfälligkeit für Reizungen und Mikroverletzungen im Schambeinbereich

Vor allem Sportarten mit häufigen Richtungswechseln, Schüssen oder schnellen Sprints können das Risiko für diese Art von Leistenschmerzen erhöhen.